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Der Nobelpreis geht oft an Wissenschaftler, die zwar Großes geleistet haben, deren Erkenntnisse sich aber kaum auf das tägliche Leben der Menschen auswirken. Ganz anders war es im vergangenen Jahr, als der Medizin-Nobelpreis verliehen wurde: Die Geehrten haben Wirkstoffe entdeckt, die Hunderten von Millionen Menschen zugute kommen, möglicherweise sogar Milliarden – und das überwiegend in den ärmsten Ländern der Welt. Genau so hatte es sich Alfred Nobel gewünscht, als er in seinem Testament festhielt, dass diejenigen geehrt werden sollen, die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben.

Die Leistungen, die von den drei geehrten Wissenschaftlern erbracht wurden, sind zwar nicht ganz neu – im Gegenteil, die Preisträger sind alle in den 1930er Jahren geboren und ihre Erkenntnisse liegen rund 40 Jahre zurück. Aber der Wert ihrer Forschung und die gewünschte Richtung, die sie eingeschlagen haben, ist ausgesprochen ehrenwert – auch mit Verspätung. Zumal die Ergebnisse ihrer Arbeit aktuell ihre volle Wirkung entfalten.

Youyou Tu: Entdeckerin des Wirkstoffs gegen Malaria

Die Chinesin Youyou Tu konnte nach jahrelangem Forschen das pflanzliche Malariamittel Artemisinin isolieren. Dieser Wirkstoff ist ein hochwirksamer Bestandteil in der medikamentösen Therapie der Malaria – einer Erkrankung, die fast die Hälfte der Menschheit bedroht. Der Wissenschaftlerin gelang es nach dem Studium alter chinesischer Schriften, Hinweise zur Aufbereitung des einjährigen Beifußes zu entdecken und damit den Wirkstoff in den 1970er Jahren aufzubereiten.

Heute wird das Artemisinin in Kombination mit anderen Wirkstoffen gegen Malaria verabreicht, aber es bildet noch immer den elementaren Bestandteil. Die Produktion dieses Wirkstoffs geschieht in einem "nicht gewinnorientierten und verlustfreien" Produktionsmodell, weil er auf einer Liste der Weltgesundheitsorganisation steht, die den Zugang lebenswichtiger Medizin für die Ärmsten dieser Welt sicherstellen soll.

William C. Campbell und Satoshi Ōmura: Erfolgreich gegen Wurmparasiten

Der US-Amerikaner William C. Campbell und der Japaner Satoshi Ōmura wurden für die Entdeckung des Antiwurmparasiten-Wirkstoffs Avermectin und die Weiterentwicklung zum deutlich effektiveren Ivermectin geehrt. Damit ist eine Behandlung der Flussblindheit und der Elephantiasis möglich. Geschätzt wird, dass der Wirkstoff aktuell rund 145 Millionen Betroffenen helfen kann. Darüber hinaus stehen die Chancen gut, dass diese schwerwiegenden Erkrankungen bis Mitte des nächsten Jahrzehnts ausgerottet sind.

Im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen gibt es beim Ivermectin noch kein Problem mit Resistenzen – das heißt, die Parasiten haben noch keine Widerstandsfähigkeit entwickelt und werden durch die einmalige Behandlung zuverlässig getötet. Die Patienten, die vor allem in armen Verhältnissen leben, können somit geheilt werden. Sie erhalten damit auch größere Chancen, dass sie zur Schule gehen oder arbeiten können, weil sie nicht durch die Folgen der wiederkehrenden Infektionen einer nachhaltigen Betreuung bedürfen.

Keine finanziellen Interessen

Von den geehrten wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren 3,4 Milliarden Menschen in mehr als 100 Ländern, darunter die ärmsten Staaten der Welt. Das Nobelkomitee verwies darauf, dass alle drei Wissenschaftler im Interesse der Menschheit gearbeitet haben. Keine(r) von ihnen besitzt ein Patent auf die weltweit verwendeten Wirkstoffe.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO kümmert sich darum, dass die entsprechenden Medikamente auch in entlegene Gegenden der Erde kommen, und die Pharmafirmen geben die Medikamente entweder als Spende (im Fall von Flussblindheit und Filariose) oder zu Sonderkonditionen (im Fall der Malaria) ab.

Hut ab!