Am 1. Juni 2019 ist Tag der Organspende. Dies würden wir gerne zum Anlass nehmen, dieses wichtige Thema aufzugreifen, das immer wieder in aller Munde ist.

 
Wir alle kennen bekannte Personen, die entweder ein Organ bekommen haben oder es als Lebendspende weitergegeben haben. Transplantierbar sind heute Herz, Lunge, Leber, Nieren, Darm und Bauchspeicheldrüse sowie Gefässe, Hornhaut und Knochen. Durch moderne Medikamente und die größere Erfahrung der Operateure ist die Chance, mit dem neuen Organ zu überleben, deutlich gestiegen.

Rund 80 Prozent der Deutschen befürworten Organspende

Es sind nur sehr wenige Menschen pro Jahr in Deutschland, die ein Organ transplantiert bekommen. Nach den großen Transplantationsskandalen, die zu einem massiven Abfall der Spenderbereitschaft geführt hatten, hat es in den letzten Jahren wieder eine geringe Zunahme der Spenderzahl gegeben. Im vergangenen Jahr haben 955 Menschen ein oder mehrere Organe gespendet. Wenn man sich vor Augen hält, dass circa 10.000 Menschen im Jahr 2017 auf der Warteliste standen, ist dies aber leider sehr wenig, zu wenig. Dies erklärt auch, warum so viele Menschen keine Chance auf ein Überleben haben. Übertragen bedeuten diese Zahlen, dass im Durchschnitt nur 11,5 Menschen pro eine Million Menschen gespendet haben.

Nach Befragungen befürworten ca. 80 Prozent der deutschen Bevölkerung eine Organspende, allerdings haben nur gute 30 Prozent einen Organspendeausweis. Deswegen ist das Thema auch immer wieder in den Medien. In manchen Staaten wird die Einwilligung zur Spende per Gesetz vorausgesetzt. Dies ist hier in Deutschland nicht der Fall: Unser Ziel ist es, zu informieren und sich eine Meinung zu bilden. Danach sollte eine jede von uns ihren Organspendeausweis ausfüllen und ihn immer bei sich tragen, egal wie die Entscheidung ausgefallen ist. Dies ist dann auch für die Hinterbliebenen leichter, weil dann eine solch schwere Entscheidung nicht übertragen wird. Wenn jemand eine neue veränderte Entscheidung hinsichtlich einer Organspende trifft, reicht es völlig, den bisherigen Ausweis zu vernichten und einen neuen auszufüllen und diesen immer bei sich zu tragen.

Auf dem Ausweis gibt es verschiedene Ankreuzmöglichkeiten:

  • Ja, alle Organe
  • oder nur bestimmte Organe dürfen zur Transplantation entnommen werden.
  • Und genauso ist es erlaubt, einer Organentnahme zu widersprechen.

Maximale Versorgung des Patienten hat immer Vorrang

Diese Vorstellungen können aber ebenso in einer Patientenverfügung festgelegt werden und sind auch da veränderbar, wenn sich die Einstellung verändert. Wenn wir uns mit dem Thema Organspende auseinandersetzen, bedeutet dies für jeden einzelnen von uns, dass wir uns mit unserer Sterblichkeit auseinandersetzen müssen. Was dabei für viele mit Angst besetzt ist, ist der Gedanke, dass die medizinische Versorgung nicht optimal verlaufen könnte, wenn wir einen Spenderausweis bei uns tragen. Dies ist nicht der Fall: Aufgabe in der Notfallsituation ist immer die maximale Versorgung des Patienten. Auch wird oft die Sorge geäußert, dass die Feststellung des Hirntodes nicht verlässlich ist. Der Prozess der Hirntodfeststellung erfolgt durch zwei unabhängige Fachärzte, bestimmte medizinische Kriterien wie beispielsweise der Ausfall der Hirnreflexe müssen erfüllt sein.

Wer ist geeignet als Spender?

Nicht jeder Mensch kommt in Frage, bei vorausgegangenen bösartigen Erkrankungen kommt eine Organentnahme nicht in Betracht, ebenso nicht bei ansteckenden Erkrankungen. Aber die harten Altersgrenzen haben sich in den letzten Jahren verändert, so dass ältere Organe von entsprechenden Spendern an ältere Empfänger verpflanzt werden können. Um eine optimale Verteilung von Organen zu gewährleisten, gibt es eine europaweite Transplantationszentrale mit Sitz im niederländischen Leiden. Dort werden alle Patienten, die auf die Warteliste gesetzt wurden wie auch alle verfügbaren Organe verwaltet.

Vorherige Entscheidung des Patienten hilfreich

Die nicht ganz unerheblichen Kosten für eine Transplantation von der Organentnahme bis zur Verpflanzung werden von der Krankenkasse des Empfängers bezahlt. Und was passiert im schlimmsten Fall: Wenn bei einem Menschen der Hirntod festgestellt wurde und eine Organspende möglich ist, werden die Angehörigen befragt. Da ist es gut, wenn schon zu Lebzeiten eine Entscheidung gefällt wurde. Hat der mögliche Spender da bereits eine Ablehnung zur Organspende ausgesprochen, ist die Entscheidung definitiv und es werden keine Organe entnommen.

Hat der mögliche Spender keine Entscheidung getroffen, werden die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen befragt. In anderen Ländern gelten andere Gesetze, teils wird von der Zustimmung des möglichen Spenders ausgegangen, wenn nicht eindeutig auf dem Pass die Ablehnung einer Organspende benannt wurde. Diese Landesrechte gelten dann auch für den potentiellen Spender, umso wichtiger sich zu entscheiden!

Widerspruchs- oder Entscheidungslösung?

Wegen der eher nicht so hohen Entscheidungskraft wird auch für Deutschland über eine Änderung des Zustimmungsablaufes diskutiert. Ob es eine Widerspruchs- oder Entscheidungslösung geben soll, will der Bundestag noch vor der Sommerpause entscheiden.

Weitere Informationen sind unter www.Organspende-info.de zu erhalten. Die entsprechenden Organspendeausweise haben die meisten von uns schon mal von ihrer Krankenkasse erhalten, wenn Sie dennoch ein Exemplar benötigen, sprechen Sie uns bitte an.