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In der jetzigen Zeit spüren wir fast alle eine große Bedrohung und die Unsicherheit lastet auf vielen sehr schwer. Jetzt zu sagen, dass alles nicht so schlimm ist und dass es schon werden wird und, und, und ist ein unsinniges Vertrösten. Das, was dieses Virus für den Einzelnen bedeutet, ist sehr unterschiedlich:

  • die Alten und Menschen mit Vorerkrankungen haben womöglich Angst um ihr Leben (zu Recht)

  • Eltern mit Kindern denken an den Alltag, den sie ohne ihr normales Unterstützungssystem aus Kitas, Horten, Babysittern und Großeltern kaum stemmen können

  • selbständig Arbeitende machen sich Sorgen um ihre Existenz, Arbeitgeber machen sich Gedanken, wie sie mit den drohenden finanziellen Defiziten zurechtkommen können

Ein Perspektivwechsel kann gut tun

Und dann gibt es die, die lamentieren, dass sie eingeschränkt werden in ihrer Freiheit, dass sie nicht reisen können, dass sie sich nicht mit Freunden treffen können, dass sie auf Feste verzichten müssen und genau solche Menschen halten sich dann womöglich nicht an die aktuellen Spielregeln. Dies ist ein großes Problem, weil sie damit uns alle gefährden, die Einzelnen in ihrer körperlichen Verletzbarkeit und unser Gesundheitssystem, was ja schon so an der Grenze steht und das jetzt eine immense Last schultern soll: Für solche Menschen habe ich kein Verständnis.

Deswegen ist es mir wichtig in nicht-blauäugiger Weise zu zeigen, dass manchmal auch ein Perspektivwechsel uns guttun kann. Viele Menschen sind schon von sich aus losgegangen, um alte und kranke Verwandte, Freunde oder Nachbarn mit Lebensmitteln zu unterstützen. Das ist großartig.

Natürlich kann man als Schwarzseher allein das „Fastschoneingesperrtsein“ sehen, das Fehlen von Kino, Theater oder Treffen in der Kneipe, das Wegfallen von geplanten Festen, auf die wir uns gefreut haben.

Privilegien vor Augen halten

Aber wir können uns auch mal – und das sicher öfters in den nächsten Wochen – vor Augen halten, wie privilegiert wir sind, wenn uns dies bisher alles möglich gewesen ist und irgendwann auch wieder in vielleicht angepasster Form möglich sein wird. Und wir können in dieser ach so schnelllebigen Zeit auch mal überlegen, was wir doch schon immer tun wollten, wozu uns immer die Zeit zu fehlen schien (weil wir sie uns nicht genommen haben). Und dann gibt es so viele Dinge, die machbar sind.

Hier eine kleine Auswahl:

  • von dem Stapel der ungelesenen Bücher einfach eins nehmen und loslegen oder das Lieblingsbuch hervorholen und noch mal lesen

  • gleiches gilt für DVDs oder CDs

  • oder ein Fotoalbum gestalten, sei es ganz Oldschool mit Einkleben von Fotos oder gestaltend am PC

  • den Telefonhörer in die Hand nehmen und den Kontakt suchen mit all denen, die wir schon immer anrufen wollten

  • eine Postkarte oder einen Brief oder Mails schreiben, da bieten sich auch unter anderem wieder die an als Adressaten, die sich zurzeit nicht in Menschenmassen begeben sollen

  • sich auf den Balkon oder die Terrasse setzen und einfach das Gesicht in die Sonne halten und ein bisschen Sonne für die Seele tanken und einfach mal innehalten und dankbar sein für all das, was wir oft als so gegeben hinnehmen und was wir gerade vermissen

  • oder womöglich ein bisschen im Garten Ordnung schaffen

  • den Kleiderschrank ausmisten oder das Bücherregal oder den Keller, da gibt es bei den meisten von uns genug Angriffsfläche im wahrsten Sinne des Wortes

  • das Fahrrad aus dem Schuppen holen und eine Runde drehen oder mal ein paar Dehnungs- oder Turnübungen machen, die Meditations-CD hervorkramen und uns die Zeit für uns selbst nehmen

  • eine Speise für unsere Mitbewohner zubereiten und sie (nur) mit den Menschen im Haushalt genießen, es soll ja zur Zeit keine Einladungen geben

Auch jetzt haben wir noch Wahlmöglichkeiten

Ich glaube, dass es wichtig ist, sich selbst nicht in der eingesperrten Rolle wahrzunehmen, sondern zu merken, dass wir auch jetzt Wahlmöglichkeiten haben – auch wenn die sich unterscheiden von dem, was wir bisher tagtäglich als richtig empfunden haben. Wenn wir merken, dass wir diese Zeit auch nutzen können, dann muss das Glas nicht halb leer sein. Womöglich merken wir, dass es Veränderungen in unserem Alltag gibt, die wir auch gerne und dauerhaft in „die Zeit danach“ mitnehmen wollen und das wäre dann ja eine Bereicherung.

Ich wünsche Ihnen viel Kreativität und viele gute Momente. Achten Sie auf sich und Ihre Umgebung, halten Sie sich an die Spielregeln und bleiben Sie gesund!