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In den Supermarktregalen stehen sie seit geraumer Zeit neben Cola, Brause und Co.: Bunte Dosen mit attraktivem Design. Ihre Werbung verspricht die sofortige Steigerung von Energie und Leistungsfähigkeit. Flügel sollen sie verleihen, also Leichtigkeit bei der Bewältigung von schweren Aufgaben.

Ich habe mich gefragt, kann das sein? Was ist in der neuen Art von Erfrischungsgetränken drin? Was machen diese Inhaltsstoffe im Körper? Muss ich mir Sorgen machen, wenn mein Kind das trinkt? Wieviel Koffein ist dort drin im Vergleich mit einer Tasse Kaffee?

Aus der Presse hörte ich von Todesfällen im Zusammenhang mit Energy Drinks. Was genau ist da dran?

Der typische Energy Drink ist alkoholfrei, süß, schmeckt nach Gummibärchen oder ist in anderen Geschmackssorten wie Orange erhältlich. Daher liegt er vor allem bei Jugendlichen hoch im Kurs. Er enthält viel Zucker und Koffein, daneben meist noch unbekanntere Inhaltsstoffe wie Taurin, Inosit oder Glucuronolacton und Vitamine.

Zu den einzelnen Inhaltsstoffen:

Zucker: Die meisten Energy Drinks sind vom Zuckergehalt vergleichbar mit Cola. 500 ml Cola enthalten gut 50 g Zucker. Die zuckerhaltigsten Energy Drinks enthalten 70 g Zucker pro 500 ml, das entspricht 23 Stück Würfelzucker. Energy Drinks sind also kalorienreich und belasten durch den hohen Zuckergehalt den Zahnschmelz.

Koffein: Der Koffeingehalt ist hoch und in Deutschland auf maximal 32mg pro 100ml limitiert. Diesen Maximalwert enthalten die meisten Energy Drinks. Vorsicht! In kleinen 60-Milliliter-Dosen werden die sogenannten Energy Shots angeboten. Diese enthalten das Vierfache des Koffeingrenzwerts, nämlich 1240mg pro Liter. Das ist gesetzlich möglich, indem sie unter der Rubrik Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden und nicht als Erfrischungsgetränk. Die kleine Dose Energy Shot entspricht vom Koffeingehalt einer 250-Milliliter-Dose eines der bekanntesten Energy Drinks.

Zum Vergleich:

  • 1 Dose Energy Drink mit 250 ml enthält 80 mg Koffein
  • 250 ml Cola enthalten 30 mg Koffein
  • 1 Tasse Kaffee enthält 40 bis 120mg Koffein
  • 1 Tasse Kakao enthält 6 mg
  • 1 Tasse Schwarztee enthält 20 bis 40 mg
  • 1 Espresso enthält 40 mg

Wirkung von Koffein:

Koffein ist eine Stimulans. In kleinen Dosen (50 bis 250mg) lassen Müdigkeit und Erschöpfung nach, Denken und Fühlen werden lebhafter, die Reaktionszeit verkürzt sich. Die Geschicklichkeit lässt allerdings nach. Die Leistungsfähigkeit bei Ausdauersport nimmt etwas zu. In höherer Dosis (250 bis 600 mg) kommt es zu Nervosität, Ängstlichkeit, Unruhe, Zittern und Einschlafstörungen. Es kann zu Übelkeit und Erbrechen kommen und bei Menschen, die dazu neigen, zu Panikattacken.

Hohe Dosen (über 600 mg) führen zu Unruhe und Getriebenheit, Herzrasen, Übelkeit, Erbrechen, Schlafstörungen und verschlechtern die Lernleistung. Bei sehr hohen Dosen kann es zu Krampfanfällen kommen.

Taurin ist ein Eiweiß-Abbauprodukt und kommt natürlicherweise im Körper vor. Die körpereigene Produktion von Taurin beträgt bei gesunden Erwachsenen etwa 50 bis 125 mg pro Tag.

Taurin soll angeblich die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigern. Unabhängige wissenschaftliche Studien konnten keine entsprechende Wirkung nachweisen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät von einer Zufuhr aus mit Taurin angereicherten Lebensmitteln ab.

Glucuronsäure: Dieser Inhaltsstoff ist ein normales Stoffwechselprodukt und kann vom Körper aus Glucose hergestellt werden. Glucuronsäure hilft dem Körper bei Entgiftungsreaktionen.

Die in Energy Drinks enthaltene Menge an Glucuronolacton übersteigt die tägliche Zufuhr durch herkömmliche Nahrungsmittel um ein Vielfaches. Dieser Stoff wird derzeit als unbedenklich bewertet.

Inosit: wurde früher zu den Vitaminen gezählt und ist beteiligt an der Signalübermittlung im Inneren von Zellen. Die Bedarfsdeckung an Inosit erfolgt normalerweise durch Eigenproduktion. Eine positive Wirkung auf die geistige Leistungsfähigkeit ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Warnung des Bundesinstituts für Risikobewertung

Energy Drinks sind absolut ungeeignet bis gefährlich als Sportgetränk. Sie gleichen den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust nicht aus, sondern wirken harntreibend und führen zu einem Flüssigkeitsverlust. Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle und Nierenversagen sind beschrieben!

In der Kombination mit Alkohol wird durch die aufputschende Wirkung die Betrunkenheit leicht überdeckt. Dies führt zu einer falschen Selbsteinschätzung, was gerade beim Autofahren fatal enden kann.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gab 2008 folgende Bewertung heraus:

„Energydrinks sind Getränke, die Koffein, meist zusammen mit den Stoffen Taurin, Inosit und Glucuronolacton, oft in hohen Konzentrationen enthalten. In der Vergangenheit kam es zu Todesfällen, die in einem möglichen Zusammenhang mit dem Konsum von Energydrinks in Verbindung mit der Aufnahme von Alkohol oder ausgiebiger sportlicher Betätigung gesehen wurden, ohne dass allerdings eine Kausalität bewiesen wurde. Wissenschaftler ziehen in Betracht, dass die typischen Energydrink-Inhaltsstoffe sich in ihrer toxikologischen Wirkung gegenseitig verstärken und somit zu gesundheitsrelevanten Beeinflussungen von Körperfunktionen führen könnten. …"


Das Bundesinstitut hat sich wiederholt für eindeutige Hinweise auf den Etiketten von Energydrinks ausgesprochen. Diese sollten beinhalten, dass bestimmte Verbrauchergruppen wie Kinder, Schwangere, Stillende und koffeinempfindliche Personen auf den Verzehr von Energydrinks verzichten sollten. Außerdem sollten sie auf mögliche unerwünschte Wirkungen im Zusammenhang mit ausgiebiger sportlicher Betätigung oder mit dem Genuss von alkoholischen Getränken hinweisen.

Es verweist auch auf Angaben, nach denen u.a. Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Nierenversagen und erneut Todesfälle nach dem Verzehr von Energydrinks beschrieben werden. Nach wie vor sei hierbei die Frage des kausalen Zusammenhanges offen. Beachtenswert seien dabei auch Befunde, nach denen Probanden ihre nachlassende Reaktionsfähigkeit durch Alkoholkonsum unter dem Einfluss von Energydrinks nicht mehr realistisch wahrnahmen. Die objektiven Messungen ihrer psychomotorischen Fähigkeiten hätten aber ergeben, dass Energydrinks bestimmte, durch Alkohol bedingte motorische und visuelle Einschränkungen nicht kompensierten, so das BfR. Der gleichzeitige Konsum von Alkohol und Energydrinks könne somit zu einer Fehleinschätzung der Leistungsfähigkeit führen.

Das Institut rät außerdem, dass sich Verbraucher mit Bluthochdruck und Herzkrankheiten bis zum Vorliegen aussagekräftiger Studien beim Verzehr von Energydrinks zurückhalten.

Fazit:

  • Die Aufputschwirkung von Energy Drinks resultiert aus dem hohen Gehalt von Zucker und Koffein.
  • Für Taurin, Inosit und Glucuronolacton gibt es keine wissenschaftlichen Belege für eine Leistungssteigerung. Im günstigsten Falle sind sie als unbedenklich einzustufen.
  • Energy Drinks sind keine Durststiller!
  • Energy Drinks sind nichts für Kinder, Schwangere und Stillende.
  • Energy Drinks sind nichts für Menschen mit Herzkrankheiten oder Bluthochdruck.
  • Energy Drinks in Kombination mit Sport oder Alkohol sind als gefährlich einzustufen. Todesfälle sind beschrieben!

Sollte Ihnen also der Sinn nach einem kurzfristigen Anschub der Wachheit stehen: Ein starker Kaffee mit 2 Löffeln Zucker erfüllt eine ähnliche Funktion wie ein Energy Drinks (enthält aber viel weniger Zucker), ist in seiner Wirkung vermutlich von den meisten besser einzuschätzen und enthält keine exotischen Zusätze, deren Wirkung fraglich ist. Ein Energy Drink bietet also kein Mehr an Leistung als der simple Kaffee, wohl aber zum Teil erheblichste Nebenwirkungen, gerade in Kombination mit Sport oder Alkohol.

Peer Thoma