Bremen ist eine nicht allzu sonnenverwöhnte Stadt, umso stärker zieht es viele von uns nach draußen, sobald die Sonne tatsächlich scheint. Endlich wieder die Nase in die Luft recken und die wärmenden Strahlen auf den nackten Armen spüren! Herrlich. Viele freuen sich auf die luftige Sommergarderobe, möchten dazu eine gebräunte Haut tragen und setzen sich noch weiter der Sonne aus.

 
Einige Menschen verbringen über die Wintermonate Zeit in der Sonne und sind daran gewöhnt. Die meisten von uns jedoch nicht und bringen daher vom Nachmittag am Weserstrand nicht nur Sand im Schuh, sondern leider auch einen Sonnenbrand mit. Dies gilt es zu vermeiden.
 
Sonne ist lebensnotwenig für uns

Die Sonne ist für uns lebensnotwendig, für unseren Körper und unser Gemüt. Regelmäßige, am besten tägliche, Bewegung an der frischen Luft trägt wesentlich zu unserem Wohlbefinden bei. Zur Herstellung von wirksamen Vitamin D benötigt der Körper Sonnenstrahlen. Zwei- bis dreimal pro Woche circa 15 Minuten Sommersonne (im Winter 30 Minuten) auf Gesicht, Unterarme und Hände sind dafür jedoch völlig ausreichend. Alles darüber hinaus kann tatsächlich schädlich sein.

Die Strahlung der Sonne setzt sich aus dem sichtbaren Licht, der Infrarotstrahlung und der UV-Strahlung zusammen. Letztere unterteilt sich in UVA, UVB und UVC-Strahlung. Die UVC-Strahlung wird von der Ozonschicht abgehalten. Die UVB-Strahlen fördern die Vitamin-D-Bildung und verursachen neben einer Verdickung der Haut (Lichtschwiele) auch die Neubildung unseres Hautpigments. Ein Übermaß an UVB-Strahlung führt jedoch zu Sonnenbrand und – viel wichtiger – zu Schäden im Erbgut unserer Hautzellen. UVA-Strahlen dringen tiefer in die Haut ein. Dort sorgen sie durch eine Umverteilung des vorhandenen Pigments für die Bräunung unserer Haut. In hohen Dosen lösen sie jedoch auch Sonnenbrand aus und sind hauptverantwortlich für die vorzeitige Hautalterung.

Schäden im Erbgut der Haut zunächst nicht erkennbar

Nun heilt ein Sonnenbrand ab und eine jugendliche, gebräunte Haut der frühzeitigen Faltenbildung gegenüber abzuwägen obliegt jedem Einzelnen. Problematischer verhält es sich mit den Schäden im Erbgut der Haut. Sie sind zunächst nicht zu erkennen und entstehen unabhängig vom Sonnenbrand. Die Häufigkeit und Ausprägung des Sonnenbrandes zeigt vielmehr, wie sehr die Haut ungeschützt der Sonne ausgesetzt war und steht so mit einer möglichen Schädigung in Zusammenhang.

Unsere Haut erneuert sich ständig. Neue Hautzellen werden gebildet, nach dem „Bauplan“ wie er im Erbgut, der DNS, festgelegt ist. Kommt es durch äußere Einflüsse, wie zum Beispiel UV-Strahlung, zu einer Schädigung dieser DNS, gibt es hierfür in der Zelle Reparaturmechanismen, die den Schaden beheben. Mit zunehmendem Alter sind diese Reparaturdienste jedoch weniger wirksam und die Schäden, die über die Jahre ebenfalls zunehmen, können nicht mehr alle beseitigt werden. Es kann so zu einer fehlerhaften Neubildung von Zellen kommen. Die Zellen zeigen ein unkontrolliertes Wachstum, die Funktion der Zellen ist eventuell beeinträchtigt und gesundes Gewebe wird gestört. Ein Tumor entsteht, unter Umständen ein bösartiger. In diesem Falle also Hautkrebs, der mit über 250.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland auftritt.

Fehlender Sonnenschutz fördert die Entstehung von Hautkrebs

Die hohe Zahl an Hautkrebserkrankungen muss als Folge des weitverbreiteten Wunsches nach Bräune betrachtet werden. Die Ursache vieler Krebsarten ist ungeklärt. Manche treten zufällig auf, manche familiär gehäuft. Bei einigen, so auch beim Hautkrebs, sind begünstigende Umstände jedoch klar erwiesen: Fehlender Sonnenschutz fördert die Entstehung von Hautkrebs.

Dieses Wissen ermöglicht uns das Ergreifen vorbeugender Maßnahmen, der Prävention. Es geht um einen ausreichenden Sonnenschutz.

Es ist dabei hilfreich, den eigenen Hauttyp zu kennen. In Europa unterscheiden wir 4 Hauttypen:

  • Typ I: helle Haut, Sommersprossen, blonde oder rote Haare, blaue oder grüne Augen. Sonnenbrand mittags im Hochsommer nach 5-10 Minuten. Keine Bräunung.

  • Typ II: helle Haut, blonde Haare, blaue oder grüne Augen. Sonnenbrand mittags im Hochsommer nach 10-20 Minuten, schwache Bräunung.

  • Typ III: Dunkle Haare, braune Augen. Sonnenbrand mittags im Hochsommer nach 20-30 Minuten, gute Bräunung.

  • Typ IV: Dunkle oder schwarze Haare, braune Augen. Von Natur aus dunkle Haut. Sonnenbrand mittags im Hochsommer nach 40 min, immer Bräunung.

Die Zeit, die wir ungeschützt in der Sonne verbringen können, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, sind ungefähre Richtwerte und von einem weiteren Faktor abhängig, dem UV-Index. Dieser gibt die Intensität der Sonnenstrahlung in Abhängigkeit von Tages- und Jahreszeit, geographischer Lage und Wetter an. So ist die Gefahr, einen Sonnenbrand zu erleiden, bei unbedecktem Himmel, in den Bergen oder auch am Wasser, und mit zunehmender Nähe zum Äquator deutlich größer. Ein UV-Index von 1 bis 2 bedeutet so gut wie keine Sonnenbrandgefahr. Bei einem Wert von 3 bis 7 ist ein Schutz erforderlich, ab einem Wert von 8 ist dieser unbedingt und in erweitertem Maße notwendig. Der UV-Index wird in vielen Wetterberichten, im Internet oder vom Deutschen Wetterdienst bekannt gegeben.

So vermeiden Sie die Gefahr eines Sonnenbrands

Soviel zu den Hintergründen. Was können Sie nun tun, um einen Sonnenbrand zu vermeiden und Ihr Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, deutlich zu reduzieren?

Hier sind die wichtigsten Regeln:

  • Die Sichtweise überdenken: Jeder mit seiner individuellen Hautfarbe ist schön. Die gebräunte Haut als Schönheitsideal ist überholt und zeigt lediglich wie häufig die Haut einer unter Umständen schädlichen Strahlung ausgesetzt war. Der Begriff der „gesunden Bräune“ ist leider irreführend.
  • Gehen Sie diesbezüglich als gutes Beispiel voran und zeigen Sie Ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit der Sonne.
  • Unterschätzen Sie, gerade bei ungewöhnter Haut, kurze Aufenthalte im Freien nicht.
  • Bestimmte Bereiche unseres Körpers sind der Sonne besonders ausgesetzt und bedürfen einer vermehrten Beachtung beim Sonnenschutz: Die unbehaarte Kopfhaut (oder Scheitel), der Nasenrücken, die empfindlichen Augenpartien, Wangen, Ohren, Lippen, Schultern, Rücken, Dekolleté sowie Fußrücken.
  • Meiden Sie die Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr. Suchen Sie den Schatten. Auch dort bekommen Sie UV-Strahlung ab und erreichen eine leichte Bräunung der Haut.
  • Gewöhnen Sie Ihre Haut langsam an die Sonne. Bleiben Sie bei einem entsprechenden Urlaub in den ersten Tagen lieber im Schatten.
  • Tragen Sie bei starker Sonnenstrahlung deshalb am besten sonnendichte Kleidung und eine Kopfbedeckung mit entsprechender Krempe. Dies ist der beste Schutz und kann auch durch eine Sonnencreme nicht ersetzt werden.
  • Denken Sie an eine Sonnenbrille mit einem sog. UV400-Schutz.
  • Die unbedeckte Haut sollte mit einem wasserfesten Sonnenschutz mit LSF (Lichtschutzfaktor) 20 eingecremt werden. Menschen mit besonders heller Haut sollten einen LSF 30 verwenden. Aus oben erläuterten Gründen sollte die Creme einen Schutz gegen UVA- und UVB- Strahlung bieten.
  • Cremen Sie sich mit einer ausreichenden (!) Menge eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad ein.
  • Erneuern sie den Schutz mehrmals. Durch Wasser, Abtrocknen, Sand etc geht Wirkung verloren. Bedenken Sie jedoch, dass die geschützte Zeit in der Sonne sich dadurch nicht verlängert! Der Sonnenschutz wird lediglich aufrechterhalten.
  • Bei längerem Aufenthalt im Wasser empfiehlt sich das Tragen eines T-Shirts oder sogar spezieller UV-Schutzkleidung (DIN E 836).
  • Inhaltsstoffe in Deodorants oder Parfums können im Zusammenspiel mit der Sonne Pigmentflecken verursachen.
  • Ein Besuch im Solarium bereitet Ihre Haut nicht auf die Urlaubssonne vor. Er verursacht mehr Schäden in der Haut.
  • Bestimmte Medikamente verursachen eine besondere Lichtempfindlichkeit der Haut. Sprechen Sie uns diesbezüglich gerne an.
  • Außerdem gibt es Erkrankungen, die durch das Sonnenlicht verschlimmert werden könnten (z.B. Rosazea oder Lupus erythematodes) oder dadurch hervorgerufen sind. Sind solche bekannt (z.B. Lichturtikaria oder polymorphe Lichtdermatose bzw. Sonnenallergie) ist besonderer Schutz nötig.
  • Ein gehäuftes Auftreten von Muttermalen (mehr als 40) bringt ein erhöhtes Hautkrebsrisiko mit sich. Hier ist konsequenter Schutz und regelmäßige Kontrolle besonders wichtig.
  • Achtung: Für Kinder gelten besondere Schutzmaßnahmen!

Bereits die Einteilung in die 4 Hauttypen gilt nicht für Kinder. Im ersten Lebensjahr sollte die zarte Haut überhaupt nicht in die Sonne und auch nicht mit Sonnenschutzmitteln belastet werden. Auch Kleinkinder sollten weitgehend im Schatten bleiben und immer einen ausreichenden Schutz, in erster Linie durch Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille, haben.

Empfehlung: Alltagsgewohnheiten überdenken

Durch diese Informationen möchten wir Sie ermutigen, Ihre Alltagsgewohnheiten zu überdenken. Für weitere Fragen stehen wir Ihnen während unserer Sprechzeiten zur Verfügung und gerne untersuchen wir Sie im Rahmen des Hautkrebsscreenings im Hinblick auf verdächtige Hautveränderungen.

Auf einen wunderbaren Sommer!