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An manchem Tisch ist das Thema bestimmt schon mal aufgekommen – und war dann sicher meist emotional belastend für alle Seiten: eine womöglich fehlende oder unterentwickelte Fahreignung. Häufig wird sie in den Raum gestellt bei unserem Gegenüber, bei den eigenen Eltern, den Ehepartnern oder Freunden und Bekannten, bei uns selbst.

So ein Gespräch läuft selten friedlich ab. Schließlich wird in den Raum gestellt, dass wir oder die andere Seite etwas nicht mehr können, das auch unseren Alltag massiv verändern dürfte, wenn Konsequenzen gezogen werden müssen.

In Deutschland müssen wir primär nachweisen, dass wir „die notwendigen körperlichen und geistigen Anforderungen“ erfüllen, damit wir die Fahrerlaubnis, also unseren Führerschein bekommen können. Dies ist in entsprechenden Gesetzestexten niedergelegt, eine spätere Überprüfung dieser Kompetenz findet nicht für alle statt, nur für bestimmte Führerscheinklassen (z.B. LKW-Fahrer). Dies ist vielen anderen Staaten, teilweise auch in unseren europäischen Nachbarstaaten anders.

Wann kommt es zu einer Überprüfung der Fahreignung?

Bei uns kommt es nur zu einer Überprüfung, wenn wir allzu oft oder schwerwiegend im Straßenverkehr auffallen, zum Beispiel bei zu vielen Punkten in Flensburg. Dann kommt automatisch ein Prozess in Gang, der zur Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung (MPU) führt.

Das ist allerdings meistens nicht das, was bei vielen Gesprächen in trauter Runde angesprochen wird. Stattdessen gibt es zum Beispiel folgenden Anlässe:

  • Der übermäßige Alkoholkonsum bei einer Festivität, die dazu führt, dass empfohlen wird, sich nicht mehr ans Steuer zu setzen
  • die sich häufenden Beulen am Auto, weil sich das Auto scheinbar in der Größe verändert hat und auf einmal nicht mehr in die bisher passenden Lücken passt
  • die Nachfrage der Versicherung, weil schon wieder ein Schaden aufgetreten ist und bezahlt werden soll
  • und aber auch das Gefühl als Mitfahrender, dass die fahrende Person nicht mehr geeignet ist, motorisiert am Straßenverkehr teilzunehmen
  • oder nach einem medizinischen Ereignis die ärztliche Ansage, dass vorübergehend ein Fahrverbot ausgesprochen werden muss.

Viele Emotionen im Spiel

Wenn solche Gespräche in Gang kommen, geraten schnell viele Emotionen ins Spiel. Dem betrunkenen Gast wird man den Autoschlüssel wegnehmen wollen, aber wie ist ein Gespräch möglich, wenn die andere Seite das Gefühl hat, dass damit „alles“ weggenommen wird? Die junge Generation ist nicht mehr so vernarrt in ihren Führerschein, aber die Älteren können sich oft nur sehr schwer mit dem Verlust der Fahrerlaubnis abfinden. Sie haben sich etwas erarbeitet und wollen es nicht loslassen. Das In-Frage-Stellen wird oft als Kränkung empfunden, eine bisher als selbstverständlich bestehende Kompetenz wird einem abgesprochen.

Dem Gegenüber die eigene Angst erklären

Da kann es gut sein, zu erklären, warum es zu dem Gespräch kommt, die eigene Angst bei einer Autofahrt zu erwähnen und womöglich eine unabhängige Person zu suchen, die das potenziell bestehende Problem überprüft. Konkret ist es so, dass viele Fahrlehrer in einer begleiteten Fahrstunde kostenpflichtig eine Überprüfung der Fahreignung übernehmen. Am Ende einer solchen Stunde kann man sich noch mal hinsetzen und vielleicht etwas emotionsärmer klären, welche Konsequenzen zu ziehen sind.

Letztlich geht es ja darum, dass alle möglichst sicher im Straßenverkehr unterwegs sein können. Manchmal muss dann eine einzelne Person verzichten, damit es allen möglichst gut geht.