Schon seit März 2018 gibt es den neu zugelassenen Impfstoff Shingrix gegen Gürtelrose (Herpes Zoster). Eine Impfung gegen Gürtelrose mit diesem Impfstoff ist nun erfreulicherweise als Kassenleistung für alle Patienten ab einem Alter von 60 Jahren als sogenannte Standardimpfung möglich.

 
Für Patienten mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung kann diese Impfung schon ab einem Alter von 50 Jahren erfolgen. Hierzu gehören nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) Erkrankungen, die mit einer reduzierten Abwehrlage einhergehen. Dazu gehören: angeborene bzw. erworbene Immundefizienz, eine immunsupprimierende Behandlung, HIV-Infektion, rheumatische Arthritis, systemischer Lupus erythematodes, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder Asthma, chronische Niereninsuffizienz oder Diabetes mellitus.

Schwere Erkrankungen können Infektion begünstigen

Eine Gürtelrose ist eine Infektionskrankheit, die durch das Windpocken-Virus ausgelöst wird. Nach einer Windpockenerkrankung, die in meistens in der Kindheit aufgetreten ist, kann sich das Windpocken-Virus (Varizella-Zoster-Virus) in den Nervenzellen – den sogenannten Spinalganglien – einnisten und dort lebenslang verweilen. Eine Gürtelrose kann sich dann im Verlaufe des Lebens entwickeln, wenn es zu einem erneuten Ausbruch der Viren durch eine schwächer werdende Immunabwehr kommt. Begünstigende Faktoren hierfür können schwere Erkrankungen, Infektionen (wie z.B. grippale Infekte oder Magen-Darm-Infekte) oder Behandlungen sein, die das Immunsystem unterdrücken. Zusätzlich steigt das Risiko mit zunehmendem Alter ab 50 Jahren deutlich an. Mehr als 300.000 Menschen über 50 Jahre erkranken in Deutschland jährlich an einem Herpes Zoster.

Typische Symptome der Gürtelrose

Die Gürtelrose zeigt sich typischerweise durch einen gürtelförmigen halbseitigen Hautausschlag, wobei sich kleine flüssigkeitsgefüllte Bläschen bilden. Zu Beginn können den Hautveränderungen Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Gliederschmerzen oder leichtes Fieber vorausgehen. Die Bläschen können sich durch ein kribbelndes Hautgefühl an den Körperstellen ankündigen, an denen sich dann die Bläschen bilden, einhergehend mit einer Rötung, Schwellung und Juckreiz. Durch Schädigung der Nervenzellen kann es zu Empfindungsstörungen und Nervenschmerzen kommen. Bei fast einem Drittel der Patienten, die an einer Gürtelrose erkrankt waren, kann es als häufigste neurologische Komplikation zu lang anhaltende Nervenschmerzen, der sogenannten Post-Zoster-Neuralgie, kommen. Bedrohlich können sich auch Infektionen im Kopf- und Gesichtsbereich entwickeln.

Aktuell kann man in Deutschland davon ausgehen, das fast jeder in Deutschland aufgewachsene Erwachsene im Alter von 50 Jahren und älter an Windpocken erkrankt war. Daher wird nicht empfohlen, vor der Impfung eine durchgemachte Infektion serologisch zu sichern.

Zwei Impfungen erforderlich

Die Impfung mit dem sogenannten Totimpfstoff Shingrix besteht aus zwei Impfungen im Abstand von mindestens 2 bis maximal 6 Monaten. Wie auch bei anderen Impfungen können Impfreaktionen wie leichte Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle, Muskelkater am Arm, Kopfschmerzen, allgemeine Müdigkeit und leicht erhöhte Temperaturen auftreten. Leider sind die Impfreaktionen häufig, klingen in der Regel aber nach 1-3 Tagen wieder ab. Dies ist wichtig vorab zu wissen, um auch die notwendige zweite Impfung durchführen zu lassen. Die Impfung erzielt eine hohe Wirksamkeit (die Wirksamkeit über alle Altersgruppen ab 50 Jahre liegt bei 92 Prozent zum Schutz vor Herpes Zoster und bei 82 Prozent zum Schutz vor Post-Zoster-Neuralgie).

Etwa 3-5 Prozent der Patienten erkranken mehrmals an einer Gürtelrose. Auch in diesen Fällen wird die Impfung ausdrücklich empfohlen. Sie kann vor einem erneuten Virusausbruch schützen, bereits bestehende Nervenschäden werden eher wenig beeinflusst. Evidenzbasierte Empfehlungen zum Mindestabstand einer Impfung nach bereits durchgemachter Gürtelrose ist nach Angaben der STIKO gegenwärtig noch nicht möglich. Eine groß angelegte Studie zu diesem Thema beginnt gerade.  Frühestens sollte nach entsprechender Nutzen-/Risikoabwägung nach Abklingen der Hautsymptomatik geimpft werden. Nach einer Mitteilung im Ärzteblatt im April 2019 geht man derzeit davon aus, dass die Impfung spätestens ein Jahr nach Abklingen der Symptome sicher erfolgen kann. Aktuell bestehen auch noch keine Empfehlungen für Nachholimpfungen.