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Der Diabetes mellitus zeigt nicht nur kurzfristige Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel, sondern betrifft Sie lebenslang und kann sich bei schlechter Einstellung der Blutzuckerwerte mit chronischen Folgeerkrankungen bemerkbar machen. Viele davon können durch eine sorgfältige Behandlung, d.h. eine möglichst optimale Einstellung, regelmäßige Kontrollen und begleitend einer angepassten Lebensweise vermieden oder abgemildert werden.

Anhaltend hohe Blutzuckerwerte hingegen schädigen das Gewebe und die Organe dauerhaft. Betroffen sind vor allem die Blutgefäße. Man unterscheidet dabei Folgeerkrankungen an den kleinen Blutgefäßen (mikrovasculär) und den großen Blutgefäßen (makrovasculär). In beiden Fällen kommt es zu Verengungen an den Arterien, was zu Durchblutungs- und Funktionsstörungen führt.

Zu den microvasculären Komplikationen gehören Augenschäden (Retinopathie), Nierenschäden (Nephropathie) und Nervenschäden (Neuropathie). Krankhafte Veränderungen an den großen Gefäßen, sogenannte Makroangiopathien, führen durch Ablagerungen an den Gefäßen zu Folgeerkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall und arterielle Verschlusskrankheit (sogenannten Schaufensterkrankheit).

Durch die regelmäßigen ärztlichen Kontrollen, z.B. im Rahmen der von den Krankenkassen unterstützten Vorsorgeprogramme, soll eine gute Blutzuckereinstellung erzielt werden. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei auch Folgeerkrankungen, die wenn vorhanden möglichst frühzeitig erkannt werden sollen, damit ein rechtzeitiges Handeln erfolgen kann. Die Therapie ist auf die Verhinderung der Folgeschäden ausgerichtet. Ob dies gelingt, lässt sich leider erst in einigen Jahren sehen.

Im Folgenden werden die häufigsten Folgeerkrankungen näher erläutert:

1. Herz und Blutgefäße:

Erhöhte Blutzuckerspiegel führen durch Veränderungen des Stoffwechsels der Gefäße zu Verdickungen der Gefäßwände (Arteriosklerose). Die Gefäßwände werden starrer, sodass der Druck in den Gefäßen steigt. Des Weiteren ändern sich die Fließeigenschaften des Blutes. Insgesamt kommt es zu einer Verschlechterung der Blutversorgung der Gewebe durch die resultierenden Durchblutungsstörungen.

Wenn der Herzmuskel nicht mehr ausreichend durchblutet wird, kann es zu Angina Pectoris oder Herzrhythmusstörungen kommen. Im Extremfall kann eine Arterie komplett verstopfen und dadurch zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.

Vorbeugende Maßnahmen/Untersuchungen:

  • Blutdruckmessungen, Behandlung eines Bluthochdrucks
  • EKG-Kontrollen
  • Untersuchung des Gefäßstatus
  • Blutuntersuchung auf Fettstoffwechselwerte, Einstellen der Blutfette durch Diät, Bewegung, Medikamente
  • Ernährungsumstellung (Gewicht reduzieren und halten)
  • Rauchen aufgeben
  • Bessere Stressbewältigung


2. Nieren

Ein schlecht eingestellter Blutzucker ist die häufigste Ursache für diabetische Nierenschäden. Die Nieren verlieren durch zunehmende Gefäßverkalkungen nach und nach ihre Filterfunktion. Oft ist ein erhöhter Blutdruck gleichzeitig vorhanden. Eine eingeschränkte Nierenfunktion lässt sich an einer erhöhten Eiweißausscheidung von Albumin im Urin erkennen.

Vorbeugende Maßnahmen/Untersuchungen:

  • Urinuntersuchung auf Eiweißgehalt/Mikroalbuminurie
  • Blutuntersuchungen der Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff, glomeruläre Filtrationsrate)
  • Senken eines erhöhten Blutdrucks, Optimierung der Bz-Einstellung, Verbesserung der Blutfettwerte, bei ausgeprägter Nierenschwäche ggf. verminderte Eiweißaufnahme


3. Augen

Eine schlechte Blutzuckereinstellung wirkt sich besonders auf die Netzhaut aus. Durch die Veränderungen an den Gefäßen, die die Netzhaut versorgen, kommt es zu einer verminderten Blut- und Sauerstoffversorgung. Außerdem kann es zu kleinen Blutungen an der Netzhaut kommen. Dies kann in fortgeschrittenem Stadium bis zur Erblindung führen.

Die Netzhauterkrankung verläuft schleichend und macht sich anfänglich kaum bemerkbar. Allmählich kann jedoch die Sehleistung nachlassen, bis irgendwann keine klare Sicht mehr möglich ist. Daher ist eine frühzeitige Untersuchung auf eine Netzhautschädigung und auch anderer Erkrankungen der Augen wie grauer oder grüner Star sehr wichtig.

Vorbeugende Maßnahmen/Untersuchungen:

  • Mindestens 1x jährliche augenärztliche Untersuchung (Sehtest/Untersuchung des Augenhintergrunds)


4. Beine und Füße

Hohe Blutzuckerspiegel können langfristig durch die Gefäßveränderungen zu ausgeprägten Durchblutungsstörungen an den Beinen führen. Da das Gewebe schlecht durchblutet ist, heilen Wunden schlechter ab. So können aus kleinen Verletzungen Geschwüre werden.

Gleichzeitig kann eine Gefühlsstörung bestehen, sodass leider manchmal Entzündungen oder Verletzungen nicht gleich bemerkt und erst zu spät festgestellt werden. Eine eingeschränkte Durchblutung kann zu Geschwüren und schlimmstenfalls bei einem Gefäßverschluss zum Absterben von Gewebe führen.

Vorbeugende Maßnahmen und Untersuchungen:

  • Regelmäßige Selbstkontrolle
  • Tägliche Fußpflege
  • Fußpflege ohne spitze Gegenstände
  • Ggf. professionelle Fußpflege
  • Geschwüre sofort behandeln lassen
  • Arzt aufsuchen bei Schmerzen in den Beinen oder Füßen, bei offenen – auch kleinen – nicht heilenden Wunden, eingewachsenen Fußnägeln, Schwielen, Hautverfärbungen


5. Nerven

Die Ursache für diabetische Nervenschädigungen (auch diabetische Neuropathie genannt) ist noch nicht genau geklärt, sie wird aber durch einen schlecht eingestellten Diabetes begünstigt. Durch die Schädigung des Nervengewebes kann es zu Funktionsausfällen der jeweiligen Organe kommen, die von den entsprechenden Nerven versorgt werden. Die Folgen können Bewegungsstörungen und Gefühlsstörungen sein (z.B. insbesondere an den Unterschenkeln oder Füßen Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühle).

Aufgrund der Nervenschäden werden Reize aus der Umwelt nicht mehr normal an das Rückenmark, Gehirn und das autonome Nervensystem weitergeleitet. Dies führt zu einer deutlich reduzierten Schmerzwahrnehmung.

Vorbeugende Maßnahmen/Untersuchungen:

  • Regelmäßig die Füße selbst untersuchen
  • Überprüfung auf Empfindungsstörungen (Stimmgabeltest, Monofilament)
  • Kontrolle von Reflexen an Knie und Ferse


6. Haut

Die Haut ist bei Diabetikern häufig trocken und neigt zu Schuppungen. Außerdem ist Juckreiz insbesondere am Rücken, Unterschenkeln, Füßen sowie im Scham- und Afterbereich ein häufiges Symptom. Zusätzlich können bakterielle oder von Pilzen verursachte Hautinfektionen bei Diabetes vermehrt auftreten und so z. B. zu einem Pilzbefall der Zehennägel oder Fußsohle führen.

Vorbeugende Maßnahmen/Untersuchungen:

  • Nur mit warmem, nie heißem Wasser duschen
  • Milde bzw. pH-neutrale Seifen oder rückfettende Reinigungslotionen benutzen
  • Lotionen ohne Farb- und Duftstoffe oder chemische Zusätze verwenden
  • Hautpflege mit fetthaltiger Creme
  • viel Flüssigkeit trinken (2-3 l bei herzgesunden Patienten)


Falls Sie Fragen dazu haben, wenden Sie sich gerne an uns.