Wer im Sommerurlaub in der Natur unterwegs ist, braucht sich – zumindest in den meisten Teilen Europas – kaum Sorgen über Bären, Wölfe oder andere Wildtiere zu machen. Wesentlich gefährlicher für den Menschen ist eine winzige Kreatur, die fast überall im Gras und in den Büschen lauert: die Zecke.

Besonders häufig übertragen Zecken die Borreliose, eine bakterielle Erkrankung. Erreger der auch als Lyme-Borreliose bezeichneten Krankheit sind sogenannte Borrelien (Borrelia burgdorferi), bezeichnet nach dem Ort der Entdeckung in Lyme (USA) und ihrem Entdecker Willy Burgdorfer.

Abgegrenzt werden muss die Borreliose von einer anderen auch durch Zecken übertragenen Krankheit, der sogenannten FSME (Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis). Das Auftreten der durch Viren übertragenen relativ seltenen FSME ist in Deutschland auf Risikogebiete beschränkt, die sich überwiegend in Süddeutschland befinden.

Demgegenüber besteht das Risiko einer Borrelien-Infektion in ganz Deutschland und Europa, eine wirksame Impfung existiert nicht. Die sogenannte Zeckenimpfung (FSME-Schutzimpfung) schützt nicht vor einer Borrelien-Infektion. Zecken (Holzböcke) kommen in Deutschland von der Nord- und Ostsee bis zu den Alpen bis auf eine Höhe von ca. 1000 Metern vor. Etwa 30 Prozent aller Zecken sind in Deutschland mit Borrelien infiziert und können die Krankheit übertragen.

Übertragung: Gefahr droht auch in Gärten und Parks

Zecken halten sich in Bodennähe bis maximal einer Höhe von 1,5 Metern auf. Sie kommen nicht nur im Wald vor, sondern auch auf Wiesen, Spielplätzen sowie in Gärten und Parks mitten in der Stadt. Aufgrund bestimmter Signale wie der Buttersäure im Schweiß erkennen sie, dass ein Wirtstier oder Mensch in der Nähe ist und werden aktiv. Entgegen der landläufigen Meinung lassen sie sich nicht von Bäumen oder Sträuchern fallen, sondern müssen vom Tier oder Mensch abgestreift werden.

Bevorzugte Einstichstellen beim Menschen sind die behaarte Kopfhaut (insbesondere Haaransatz), Ohren, Hals, Arm- und Kniebeugen, Leistenfalte zwischen Bauch und Beinen sowie Hände und Füße.

Zecken besitzen stechend-saugende Mundwerkzeuge, mit denen sie die Haut aufschneiden und sich mit dem stachelbesetzten Saugorgan in der Haut verankern. Wegen der betäubenden Wirkung des Zeckenspeichels ist der Stich schmerzlos. Der Saugakt dauert je nach Zeckenstadium 3 bis 12 Tage. Während des Saugaktes wird in großen Mengen Zeckenspeichel produziert; mit ihm können Krankheitserreger auf den Wirt übertragen werden.

Die Erreger befinden sich im Magen- und Darmtrakt der Zecke und werden in der Regel erst nach einer längeren Saugdauer übertragen. Eine Zecke, die weniger als 24 bis 72 Stunden Zeit hat, sich am Menschen festzusaugen, wird Borrelien mit großer Wahrscheinlichkeit nicht übertragen.

Vorbeugung und Zeckenentfernung

Nach Wald- und Wiesenspaziergängen sollten Sie Kleidung und Körper nach Zecken absuchen, da Zeckenbisse oft nicht bemerkt werden. Schützen kann man sich durch Tragen von festem Schuhwerk und geschlossener Kleidung sowie durch Einreiben mit Zecken abwehrenden Mitteln – dies bietet zwar keinen absoluten Schutz, kann aber für rund zwei Stunden hilfreich sein.

Eine fest sitzende Zecke sollte mit einer Zeckenzange, Pinzette oder – wenn diese nicht verfügbar ist – mit den Fingernägeln so nahe wie möglich an der Haut gegriffen und mit einem Ruck gerade nach hinten aus der Haut gezogen werden. Eine bestimmte Drehrichtung hat beim Herausziehen entgegen landläufiger Meinung keine Bedeutung. Das Quetschen des Hinterleibs ist jedoch unbedingt zu vermeiden, da hierdurch im Darm befindliche Erreger in die Wunde gelangen können.

Die Einstichstelle und die Hände sollten anschließend desinfiziert werden. In der Haut verbliebene Mundwerkzeuge der Zecke sind normalerweise unbedenklich und werden binnen Tagen abgestoßen. Ihre Kleidung sollten Sie sorgfältig ausschütteln oder in den Wäschetrockner stecken; in der Kleidung versteckte Zecken sterben durch trockene Hitze ab.

Erkrankung: Vielfältige Symptome

Die Borreliose kann viele Organe betreffen. Man unterscheidet zwischen einem frühen und späten Krankheitsstadium und zusätzlich zwischen lokalen und generalisierten Symptomen.

Im Frühstadium kommt es typischerweise zu einer lokalen Infektion der Haut, der sogenannten Wanderröte (Erythema migrans). Die Hautrötung breitet sich weiter aus und blasst später in der Mitte wieder ab, sodass eine zunächst scheibenförmige, später ringförmige Hautrötung entsteht. Diese Wanderröte ist das einzige klinisch eindeutige Zeichen. In diesem Falle sollte eine antibiotische Behandlung eingeleitet werden, auch wenn keine borrelienspezifischen Antikörper nachweisbar sind.

Häufig tritt aber auch nur eine sehr leichte Entzündungsreaktion auf, die übersehen werden kann. Eine eindeutige Rötung kann aber auch fehlen und die Krankheit bereits wenige Tage nach dem Stich mit unspezifischen, grippeähnlichen Allgemeinsymptomen, Lymphknotenschwellungen und leichtem Fieber beginnen.

Nach Wochen bis zu mehreren Monaten können unterschiedliche Organe betroffen sein: Rheumatologische Symptome können schon relativ früh als Gelenk- oder Muskelschmerzen auftreten (auch milde, flüchtige Entzündungen einzelner Gelenke). Die typische Lyme-Arthritis entwickelt sich in der späten Krankheitsphase.

Bei Beginn sind in der Regel nur ein oder wenige Gelenke betroffen, wobei bei ca. 85 Prozent mindestens 1 Kniegelenk betroffen ist. Auch die Sprung- oder Ellenbogengelenke können betroffen sein, ein Befall der Fingergelenke kommt so gut wie nie vor. Die Lyme-Arthritis verläuft meist episodisch, d.h. mit wiederkehrenden Entzündungsschüben.

Auch andere Organsysteme können im Krankheitsverlauf betroffen sein. Neben weiteren Hautveränderungen kann es zu Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Hirnhautentzündung, Nervenlähmungen, Polyneuropathie), Herzerkrankungen, Erkrankungen der Augen oder anderer Organe wie Blutgefäßen, Leber und Milz kommen.

Behandlung: Antibiotikatherapie nach ärztlicher Diagnose

Nach einem Zeckenstich wird eine generelle prophylaktische Antibiotikagabe nicht empfohlen. Auch der Nachweis von Borrelien in der Zecke bildet noch keine Indikation für eine Antibiotikaprophylaxe. Nach einem Zeckenstich kommt es nur bei 3 bis 6 Prozent der Betroffenen zu einem Auftreten von spezifischen Antikörpern. Dabei sind symptomfreie Infektionen (klinische stumme Infektionen) häufig, nur nach 0,3 bis 1,4 Prozent der Zeckenstiche kommt es anschließend zu einer Erkrankung.

Bei einer Infektion ist der frühzeitige Beginn einer Antibiotikatherapie wichtig. Zunächst wird bei Verdacht auf eine aktive Borreliose ein Bluttest durchgeführt. Dabei werden zunächst in einem Suchtest Antikörper gegen Borrelien bestimmt und anschließend spezifischere Testverfahren durchgeführt.

In der frühen Phase, insbesondere bei früh begonnener Antibiotikatherapie, kann die Antikörperbestimmung jedoch negativ sein, auf der anderen Seite bestehen auch bei bis zu 25 Prozent gesunder Menschen positive Antikörper.

Die Antikörperbestimmungen bestätigen nur einen in der Vergangenheit aufgetretenen Kontakt mit dem Erreger; die Antikörper können aber auch nach einer ausgeheilten Infektion noch Monate bis Jahre im Blut nachweisbar sein, sodass nicht unterschieden werden kann, ob eine aktive Infektion vorliegt. Entscheidendes Kriterium für die Diagnose einer Borreliose ist das klinische Bild der Symptome und die ärztliche Erfahrung.

Weitere Informationen:
dgk.de/gesundheit/impfen-infektionskrankheiten/krankheiten-von-a-bis-z/fsme.html