Auch Menschen mit chronischen Erkrankungen können Urlaub in fernen Reisezielen machen. Insbesondere bei Langstreckenfügen sollten jedoch einige Besonderheiten beachtet werden. Bei rechtzeitiger Planung sind beispielsweise auch weite Flugreisen für Patienten mit Herz- oder Atemwegserkrankungen möglich.

Flugreise vergleichbar mit Aufenthalt im Gebirge

Bei Langstreckenflügen (meist in einer Flughöhe von 9-11 km) entspricht der Kabinendruck während des Fluges in etwa dem einer Höhe von 2400 m über dem Meeresspiegel.  Wie bei einem Aufenthalt in den Alpen ist dadurch der Sauerstoffdruck in der Kabine deutlich vermindert. Für einen gesunden Menschen ist das normalerweise unproblematisch, da der verminderte Sauerstoffdruck durch eine schnellere und tiefere Atmung ausgeglichen werden kann.  Die Druckunterschiede am Trommelfell können sie am besten durch Kaugummikauen, Schlucken und Gähnen ausgleichen.  Bei einer leichten Erkältung kann vor dem Start oder der Landung ein abschwellendes Nasenspray hilfreich sein.

Menschen mit akuten oder chronischen Herz- und Kreislaufbeschwerden können unter Umständen den Druckausgleich nicht ausreichend kompensieren.

Außerdem ist die angewärmte Umluft in der Kabine sehr trocken, was zur Austrocknung der Schleimhäute führen kann. Daher sollten Sie während einer Flugreise viel trinken, am besten Wasser und Fruchtsäfte.  Wegen der gefäßerweiternden Wirkung sollten Sie auf Alkohol verzichten.

Erhöhtes Risiko bei Herz- und Atemproblemen

Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung, Herzmuskelschwäche oder Veränderungen an den Herzklappen sollten sich vor einer Flugreise ärztlich beraten lassen. Das gleiche gilt auch für Patienten mit Atemwegserkrankungen.  Allgemein gelten Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz (Beschwerden schon bei leichter körperlicher Belastung, Leistung weniger als 50 Watt auf dem Fahrradergometer) und natürlich Patienten, die schon in Ruhe über Beschwerden klagen, als fluguntauglich.  Eine Flugreise sollte bis mindestens 6 Wochen nach einem akuten Herzinfarkt nicht unternommen werden.  Nach einem herzchirurgischen Eingriff muss über die Flugtauglichkeit individuell entschieden werden.

Herzschrittmacher stellen grundsätzlich kein Problem dar, bei längerer Reisedauer sollte allerdings ggf. die Funktion des Schrittmachers zuvor überprüft werden.

Lungenfunktionsprüfung in manchen Fällen sinnvoll

Für Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen stellen Flugreisen im stabilen Krankheitszustand keine Gefährdung dar. Sie sollten die gewohnte Medikamenteneinnahme fortsetzen, die zusätzliche Anwendung des vorhandenen Notfallsprays kann sinnvoll sein und es sollte auf jeden Fall im Handgepäck mitgenommen werden.

Bei Zweifeln an der Flugtauglichkeit sollte vor Reiseantritt eine Lungenfunktionsprüfung durchgeführt werden. Zur Beurteilung der Flugtauglichkeit gelten international unterschiedliche Richtlinien, viele Fluggesellschaften legen dazu eigene Kriterien fest. Der flugmedizinische Dienst der Lufthansa verlangt u.a. eine Vitalkapazität von mindestens 3 Litern, eine sogenannte Einsekundenkapazität (FEV1) über 70 Prozent des Sollwertes und eine Sauerstoffsättigung von mindestens 85 Prozent. Weitere Informationen (z.B. für Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen in fortgeschrittenen Stadien, mit Sauerstofftherapie oder Lungenemphysem) könne Sie z.B. im Internet bei der deutschen Atemwegsliga unter www.atemwegsliga.de erhalten.

Verhalten bei Schwangerschaft, Krampfleiden, Schlaganfällen und Operationswunden

Außerdem sind unter folgenden Umständen Flugreisen nicht zu empfehlen:

  • Krampfleiden mit häufig wiederkehrenden Anfällen; gut medikamentös eingestellte Patienten können fliegen, wenn sie mindestens 24 Stunden vor Flugbeginn ohne Krampfanfall waren. 
  • Schlaganfälle bis mindestens 3 Wochen nach dem Akutereignis.
  • Nach chirurgischen Eingriffen am Bauch- oder Brustraum bis zu 10 Tagen, ggf. auch länger (größere OPs bis zu 6 Monaten).

Schwangere ab dem 7. Monat gelten als Risikopersonen. Davor bestehen bei unkomplizierter Schwangerschaft keine Bedenken. Die Strahlengrenzwerte sollten jedoch beachtet werden (unbedenklicher Grenzwert 0,5 Millisievert; bei einem Flug von Tokio nach New York kommt es zu einer Strahlenbelastung von ca. 0,2 Millisievert). Schwangere ab der 37. Schwangerschaftswoche und Mütter bis zu 7 Tagen nach der Geburt werden von den Fluggesellschaften nicht befördert.

Hinweise zu Patienten mit erhöhtem Thromboserisiko können Sie dem Artikel unserer Homepage vom Vormonat entnehmen.

Diabetes: Zeitverschiebung beachten

Diabetiker, die Insulin spritzen, müssen unter Umständen eine Zeitverschiebung bedenken. Insbesondere bei Langstreckenflügen sind regelmäßige Blutzucker-Kontrollen erforderlich. Bei Flügen nach Westen verlängert sich Ihr Tag, der Insulinbedarf steigt; bei Flügen nach Osten verkürzt sich der Tag, der Insulinbedarf sinkt. Zeitverschiebungen bis zu 4 Stunden gleichen Sie in der Regel mit kurzwirksamen Insulinen aus, bei größeren Zeitverschiebungen kann auch eine Anpassung des Basalinsulins erforderlich sein. 

Stellen Sie aus Gründen der Übersichtlichkeit erst nach dem Flug Ihre Uhr auf die lokale Ortszeit um und passen sie dann ihren Rhythmus der neuen Ortszeit an. Wegen der Sicherheitsvorschriften an den Flughäfen kann es hilfreich sein, ein Attest für Flugreisende für das Mitführen von Utensilien zum Insulinspritzen und Messen einzuholen.

Falls Sie vor einer geplanten Flugreise bezüglich der Reisetauglichkeit Fragen haben oder Sie sich unsicher sind, beraten wir Sie gerne.