Je nach Reiseziel sind bis zu 60 Prozent der Reisenden von einer akuten Durchfallerkrankung (Reisediarrhoe) betroffen, wobei der Verlauf meist unkompliziert ist und nicht lange anhält. Selten kann es jedoch auch zu schweren oder chronischen Verläufen kommen.

Insbesondere wenn der Durchfall von Erbrechen begleitet ist, kann aufgrund des Flüssigkeitsverlustes besonders bei älteren Menschen, aber auch kleinen Kindern ein gefährlicher Zustand resultieren. In den meisten Fällen klingt der Durchfall allerdings auch ohne Behandlung nach 3 bis 5 Tagen wieder ab.

Hochrisikogebiete für Reisedurchfall sind nach Angaben des Centrums für Reisemedizin (CRM) vor allem Nordafrika (hier leiden 24 bis 64 Prozent der Reisenden an Diarrhoe), der indische Subkontinent (21 bis 43 Prozent) sowie Süd- und Ostasien (20 bis 57 Prozent).

Ursachen der Reisediarrhoe

Der Reisedurchfall wird meist durch verunreinigte Speisen oder Getränke (sogenannte fäkal-orale Übertragung) erworben. Meistens handelt es sich um eine bakterielle Infektion (Häufigkeit je nach Reiseziel und Saison 50 bis 75 Prozent), wobei auch Viren mehr und mehr als Überträger in Frage zu kommen scheinen.

Insbesondere Rotaviren treten häufig in Entwicklungsländern auf und können zu mehrtätigen wässrigen Durchfällen mit oder ohne Fieber führen. Noroviren sollen bis zu 15 Prozent als Ursache der Reisediarrhoe verantwortlich sein. Beide Viren sind hochansteckend und können sich durch Aerosolbildung rasch ausbreiten.

Vorsicht bei Langzeitreisenden in Risikogebiete

Bei den bakteriellen Infektionen handelt es sich meistens um E. coli-Bakterien, wobei unterschiedliche Stämme vorkommen. Es wird unterschieden zwischen sogenannten enterotoxischen E.coli (ETEC), welche ein sogenanntes Enterotoxin produzieren, sowie den sogenannten enteroaggregativen E. coli (EAEC). Infektionen mit Campylobacter kommen besonders in Asien nach dem Verzehr von verunreinigten Lebensmitteln vor. Seltener kommt es zu Salmonellen-Infektionen, die hochakut verlaufen können oder zu einer bakteriellen Ruhr durch Shigellen mit blutig-schleimigen Durchfällen und Fieber. Choleraerkrankungen sind bei Reisenden sehr selten, da eine sehr hohe Keimdosis durch verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel notwendig ist.

Seltener kommt es zu Infektionen durch Protozoen (Einzeller) oder andere Parasiten. Infektionen durch Lamblien können ohne Symptome, aber auch zu langandauernden Durchfällen führen, welche auch durch Kryptosporidien ausgelöst werden können. Infektionen durch Amöbien können blutig-schleimige Durchfälle verursachen und auch noch Jahre nach einer unzureichend behandelten Infektion zu einem Amöbenabszess führen.

Bei Langzeitreisenden in Risikogebiete kann auch eine Wurmerkrankung mit Hakenwürmern, Spulwürmern oder Peitschenwürmern Ursache von Durchfallerkrankungen sein.

Wie wird der Reisedurchfall behandelt?

Die meisten Fälle einer Durchfallerkrankung sind selbstlimitierend, das heißt, sie klingen auch ohne eine medikamentöse Behandlung von selbst wieder ab. Ein ausreichender Ersatz der verlorenen Flüssigkeit, also Wasser und Mineralsalze, ist der Hauptbestandteil der Behandlung jeder Durchfallerkrankung. Trinken Sie also reichlich klare Flüssigkeit, Fruchtsäfte und alkoholfreie Getränke. Für einen ausgewogenen Ersatz gibt es auch Glucose-Mineralsalzgemische als Pulver oder Tabletten im Handel (z.B. Elotrans, Oralpaedon oder Normolytoral u.a.). Man kann sich auch selbst eine Lösung herstellen:Auf einen Liter Trinkwasser einen gestrichenen Teelöffel Kochsalz und 10 Teelöffel Zucker, evtl. noch 2 bis 3 Gläser Fruchtsaft dazu geben. In schweren Fällen kann auch eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr erforderlich werden.

Im Falle einer Virusinfektion sind Antibiotika nicht nur unwirksam, sondern können sogar Schaden anrichten, da sie die normale Darmflora schädigen und auch als Nebenwirkungen selbst Durchfälle auslösen können.Wenn Fieber und Durchfälle über mehrere Tage unvermindert heftig anhalten und das Allgemeinbefinden zunehmend beeinträchtigt ist, muss eine ernsthafte Infektion erwogen werden. Insbesondere wenn die Durchfälle schleimig-blutig sind und/oder mit anhaltendem Fieber einhergehen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Von dem mikrobiologischen Ergebnis der Stuhlprobe ist es abhängig, ob und ggf. welche antibiotische Behandlung erforderlich ist.

Ist der Durchfall von Übelkeit und Erbrechen begleitet, sollten sie den Brechreiz lindernde Medikamente wie z.B. Vomex einnehmen und die nötige Flüssigkeitsmenge auf möglichst viele kleine Portionen verteilen. Medikamente wie Imodium (Loperamid), welche die gesteigerte Aktivität des Darmes bremsen, können ggf. bei unkomplizierten Durchfällen genommen werden. Allerdings sollte Loperamid nicht bei Kindern unter 2 Jahren gegeben werden, zwischen 2 bis 5 Jahren kann ggf. eine Behandlung durch einen Arzt mit entsprechender Dosisanpassung durchgeführt werden.

Was können Sie vorbeugend tun?

Waschen Sie sich häufig, insbesondere vor dem Essen die Hände. Trinken Sie in Risikogebieten kein Leitungswasser und benutzen Sie dieses auch nicht beim Zähneputzen. Vermeiden Sie Eiswürfel in kalten Getränken. Seien Sie vorsichtig mit dem, was Sie essen. Frisch gekochte Nahrung wie z.B. Reis oder Mais können Sie sicher verzehren. Seien Sie zurückhaltend mit Speisen, die einige Zeit vor dem Verzehr stehen gelassen wurden (z.B. kalte Buffets). Nur gut gekochte und durchgebratene Speisen essen. Vermeiden Sie Salate oder Obst und Gemüse, das nicht geschält werden kann. Meeresfrüchte wie Muscheln, Krabben und Garnelen sollte Sie nicht verzehren.