burger-menu

Ziehen, Druck oder Schmerzen: Die Leiste ist vor allem bei Männern eine Schwachstelle. So zieht sich im Laufe des Lebens etwa ein Viertel der Männer einen Leistenbruch zu. Oftmals ist solch ein Leistenbruch harmlos, aber manchmal muss auch operiert werden – und in einigen Fällen entwickelt er sich sogar zum Notfall. Doch was ist ein Leistenbruch eigentlich, wie entsteht er und wann ist besondere Vorsicht geboten?

Was ist ein Leistenbruch?

Bei einem Leistenbruch handelt es sich um eine Lücke in der Bauchwand, durch die das Bauchfell und andere innere Anteile des Bauchraums (wie z.B. Darm oder Fettgewebe) hervortreten können. Brüche mit einer solchen Vorwölbung von Eingeweide-Anteilen werden Hernien genannt. Hernien können nicht nur an der Leiste, sondern auch anderen Körperstellen entstehen, an denen eine Schwachstelle der Bauchdecke vorliegt. Dort kann sich ein sogenannter Bruchsack entwickeln, der sich durch eine Vorwölbung oder Beule bemerkbar machen kann.

Ein Leistenbruch entsteht an einer solchen Schwachstelle oberhalb des Leistenbandes, dem sogenannten Leistenkanal. Leistenbrüche sind die am häufigsten vorkommenden Brüche und betreffen meistens Männer. Im Gegensatz dazu kommt es bei Frauen häufiger zu Schenkelbrüchen, die sich am Oberschenkel unterhalb des Leistenbandes entwickeln können. Andere typische Bruchformen sind Narbenbrüche im Bereich von Operationsnarben, Bauchnabelbrüche oder auch Brüche im Oberbauch (sogenannte epigastrische Hernien).

Wodurch kann ein Leistenbruch entstehen?

Leistenbrüche können entstehen, wenn die Bauchwand in diesem Bereich nicht stabil genug ist, um den normalen Belastungen durch Druckanstiege im Bauchraum beim Niesen, Husten oder Heben schwerer Lasten standhalten zu können.

Ein Leistenbruch kann angeboren oder erworben sein. Risikofaktoren für die Entstehung eines Leistenbruches können genetisch bedingt sein (familiäre Veranlagung, schwaches Bindegewebe), es gibt aber auch andere Risikofaktoren wie höheres Lebensalter, Bindegewebserkrankungen, vorausgegangene Operationen, Schwangerschaft, Diabetes, oder Erkrankungen, die mit einer chronischen Steigerung des intraabdominalen Drucks einhergehen wie z.B. starkes Übergewicht, chronische Verstopfung (Pressen beim Stuhlgang) oder chronischer Husten bei COPD.

Welche Beschwerden können auftreten?

Ein Leistenbruch muss nicht zwangsläufig Beschwerden verursachen. Manchmal bemerken die Betroffenen selbst eine Schwellung in der Leistengegend oder er wird zufällig bei einer ärztlichen Untersuchung entdeckt.

Mitunter verspüren die Betroffenen ein Druckgefühl, Ziehen oder Schmerzen in der Leistenregion. Schmerzen können dabei in die Hoden oder Schamlippen ausstrahlen. Durch Husten, Niesen, Pressen, Heben schwerer Lasten und langes Stehen oder Gehen können die Schmerzen und Schwellung verstärkt werden, wohingegen es in Ruhe oder im Liegen zu einer Besserung kommen kann.

Ein Leistenbruch muss nicht, kann aber auch gelegentlich gefährlich werden: Wenn beispielsweise eine Darmschlingen in den Bruchsack hineinrutscht, kann diese eingeklemmt werden und so ein Darmverschluss entstehen. In diesem Fall verspüren die Betroffenen starke Schmerzen und leiden an Übelkeit und Erbrechen. Werden durch die Einklemmung auch die Blutgefäße abgeklemmt, kann es zum Absterben der Darmschlinge und einer Bauchfellentzündung kommen. Ein eingeklemmter Leistenbruch ist immer ein absoluter, unter Umständen lebensbedrohlichen Notfall, der innerhalb weniger Stunden operiert werden muss.

Muss jeder Leistenbruch operiert werden?

Ein Bruch heilt nicht von selbst aus, sondern kann nur operativ behoben werden. Macht er aber keine oder nur geringe Beschwerden, muss nicht notfallmäßig operiert werden, da das Risiko für Komplikationen gering ist. Wichtig ist es, zum Arzt zu gehen, sobald Beschwerden auftreten. Meistens entscheiden sich Männer zu einer Operation, wenn der Leistenbruch schmerzt oder auch nur lästig ist und mit der Zeit größer werden kann. Zur Abklärung, ob eine Operation erfolgen soll, ist es sinnvoll, sich bei einem Chirurgen (z.B. in der chirurgischen Sprechstunde einer Klinik) vorzustellen und beraten zu lassen. Bei Beschwerdefreiheit kann manchmal auch auf eine Operation verzichtet werden.

Durch die Operation wird der Bruchsack zurückgeschoben und die Lücke in der Bauchwand mit einer Naht verschlossen. Meistens wird zu Stabilisierung der Bauchwand ein feines Kunststoffnetzt eingesetzt. Leistenbrüche werden in der Regel minimalinvasiv mit nur wenigen kleinen Schnitten operiert.