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Seit rund zehn Jahren können Patienten, die an bestimmten chronischen Erkrankungen leiden, in Deutschland an sogenannten DMPs teilnehmen. DMP steht dabei für "Disease-Management-Programm", also ein Programm zur optimalen Langzeitbehandlung von Krankheiten, die sich (noch) nicht vollständig heilen lassen. Die Teilnahme ist für Patienten freiwillig und nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Aufgrund der mittlerweile gesammelten Erfahrungen lässt sich klar sagen, dass dieses Angebot wahrgenommen werden sollte, wenn es zur Verfügung steht. In vielen Fällen wurden deutlich günstigere Verläufe festgestellt als bei Patienten, die nicht an DMPs teilnehmen. So hat beispielsweise bei Diabetikern die Zahl der notwendigen Amputationen massiv abgenommen, aber auch Patienten mit Asthma, COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung), koronarer Herzkrankheit oder Mammacarcinom (Brustkrebs) können profitieren.

Ziele der DMPs sind die Steigerung der Kompetenz von Patienten im Umgang mit ihren Krankheiten sowie die gezielte regelmäßige Kontrolle durch die behandelnden Ärzte. In der Regel erfolgt in Abständen von mehreren Monaten eine Untersuchung durch den Hausarzt, der die Patienten bei Bedarf an die jeweiligen Fachärzte überweist. Im Falle eines Mammacarcinoms übernimmt die Gynäkologin bzw. der Gynäkologe die zentrale Rolle.

Folgende Besonderheiten ergeben sich für die einzelnen DMPs:

Diabetes:

Bei Diabetikern hat sich die Versorgung durch die DMPs deutlich verbessert. Ärzte sehen ihre Patienten regelmäßig und gucken auch regelmäßig deren Füße an – ein ganz wichtiger Punkt. Sie instruieren ihre Patienten, worauf sie achten sollen, damit eine Amputation vermieden werden kann.

Neben den Füßen zählen auch die Augen, die Nierenfunktionen und die Durchblutung zu den Faktoren, die besondere Aufmerksamkeit erhalten. Nervenstörungen und Hautveränderungen gehören zu den typischen Warnsignalen, z.B. wenn ein Patient nicht spürt, dass der Schuh zu eng ist oder er sich schon eine Blase gelaufen hat. Dadurch kann es zu Geschwüren kommen oder auch zu schweren Entzündungen, die bis auf den Knochen übergehen. Beim DMP Diabetes ist jedes Mal eine Blutentnahme für Laboruntersuchungen notwendig.

Koronare Herzerkrankung:

Bestandteile der Untersuchung sind unter anderem:

  • Überprüfung der Blutdruckeinstellung
  • Suche nach Hinweisen auf eine neue oder sich verstärkende Herzschwäche
  • Abhorchen der Lunge und des Herzens
  • Beobachtung der elektrischen Aktivitäten des Herzens (EKG), um Veränderungen und eventuelle Durchblutungsstörungen zu erkennen
  • Absprache, wann der nächste Besuch beim Kardiologen erforderlich ist
  • Überprüfung, welche schädigenden Einflüsse ausgeschaltet werden können, wobei der Patient Schulungs- oder Beratungsangebote bekommen soll.
  • Ein- bis zweimal im Jahr wird das Blut für eine Laboruntersuchung abgenommen.

Asthma:

Asthmatiker werden unter anderem für die „Saison“ ihres Allergens sensibilisiert. Mit den vorbeugenden Maßnahmen sollte zwei Wochen vor Beginn des fliegenden Allergens begonnen werden, damit das Kortisonspray seine volle Wirkung entfalten kann.

Fragestellungen, denen die Hausärzte nachgehen, sind u.a.:

  • Gab es akute Verschlechterungen des Zustands, beispielsweise im Laufe der Pollensaison?
  • Wie entwickeln sich die selbst erhobenen Messwerte zur Feststellung der Ausatemkapazität (sogenannte "Peakflow-Messwerte")?
  • Hat der Patient Infekte durchgemacht?
  • Waren Notfallbehandlungen erforderlich?
  • Wurde geraucht?

COPD:

COPD-Patienten lernen, deutlich besser mit akuten Verschlechterungen umzugehen. Sie gewinnen u.a. Sicherheit beim Einsatz von Medikamenten in solchen Fällen.

Fragestellungen bei der Untersuchung:

  • Hat der Patient Infekte durchgemacht?
  • Wie sehen die relevanten Messwerte aus?
  • War eine stationäre Behandlung oder eine Vorstellung beim Pulmologen erforderlich?

Allgemein:

Bei allen Programmen geht es darum, dass der aktuelle Gesundheitszustand erfasst und bei Bedarf in entsprechenden Messwerten dokumentiert wird. Es wird geprüft, ob der Patient alle erforderlichen Kontrolluntersuchungen absolviert hat, also z.B. Vorstellungen beim Augenarzt oder Kardiologen. Darüber hinaus werden geeignete Schulungen vermittelt und Ziele vereinbart. Nicht zuletzt werden die Medikamente dem aktuellen Stand angepasst.

Weitere Informationen über DMPs:

Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Disease-Management-Programm

Kassenärztliche Bundesvereinigung:
http://www.kbv.de/themen/23272.html

AOK:
http://www.aok-gesundheitspartner.de/bund/dmp/