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Nach Zahlen aus dem Jahr 2015 nehmen knapp 5 Millionen Menschen in Deutschland sogenannte Fettsenker oder Statine (beispielsweise Simvastatin, Pravastatin, Fluvastatin und Atorvastatin) ein. Diese sind dann einzunehmen, wenn Patienten entweder eine schwere Fettstoffwechselstörung mit einem massiv höheren persönlichen Risiko für das Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall haben oder eben bereits erkrankt sind.

 

Regelmäßige Gesundheitschecks

Davon betroffen sind alle, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, die eine Durchblutungsstörung der Beine (AVK) oder anderer Blutgefäße haben. Bei diesen Patienten wird empfohlen, ein solches Statin einzunehmen. Das muss nicht bedeuten, dass die Gesamtfette massiv erhöht sind. Oft ist es so, dass die Konstellation der Fette (das gute HDL-Cholesterin und das schlechte LDL-Cholesterin) ungünstig ist. Dafür gibt es verschiedene Risikoscores, die wir im Rahmen des Gesundheitschecks regelmäßig mit Ihnen betrachten. Wir arbeiten in der Praxis mit dem Arriba-Score, andere arbeiten mit dem Procam-Score. Die Aussagekraft beider Scores sind vergleichbar. In beide Scores fließen Faktoren wie Alter, Geschlecht, familiäres Risiko, Nikotingebrauch, vorherige Gefäßerkrankungen und aktuelle Werte der Fette und des Blutdrucks ein.

Beschwerden durch Statin-Einnahme

Von den oben erwähnten knapp 5 Millionen Menschen in Deutschland haben je nach Studie zwischen 5 bis 10 Prozent Beschwerden durch die Einnahme des Statins. Das sind immerhin bis zu einer halben Million Menschen. Die beklagten Beschwerden können vielfältig sein. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • durch den Weg der Verstoffwechselung eine Leberwerterhöhung (unterschiedlich stark ausgeprägt, je nachdem welches Medikament verordnet wird)
  • häufiges Auftreten von muskelkaterähnlichen Beschwerden. Die Patienten klagen über Schmerzen, die eher stammnah, symmetrisch auftreten und verbunden sein können mit dem Gefühl von Verspannungen; Steifheit oder von Krämpfen. Dies alles kann bis zu einem Gefühl von Muskelschwäche führen. Häufiger betroffen sind eher alte Patienten (über 80 Jahre), Frauen mehr als Männer, Menschen mit niedrigen Gewicht eher als gut Genährte: Auch weitere Faktoren wie ein Vitamin D Mangel oder Schilddrüsenfunktionsstörungen können begünstigend wirken wie auch eine hohe körperliche Aktivität und ein übermäßiger Alkoholkonsum, sowie bei der Ernährung ein übermäßiger Genuss von Grapefruitsaft oder Cranberries.

Neben den muskulären Beschwerden kann es auch zu einer Erhöhung eines Muskelwertes im Blut (die sogenannte CK = Creatinkinase) kommen. Dies ist aber nicht zwingend erforderlich, um die Diagnose zu stellen. Das Ausmaß dieses Muskelzerfalls kann sehr unterschiedlich sein, im schlimmsten Fall treten Muskelnekrosen als Rhabdomyolyse. Dies ist eine Auflösung der quergestreiften Muskulatur des Skelettsystems sowie ggfs. auch der Herzmuskulatur und des Zwerchfells. Sie kann im schlimmsten Fall bis zu einem Nierenversagen führen, weil durch das anfallende Eiweiß aus den Muskelzellen die Nierenkörperchen verstopft werden können.

Medikation nicht selbst beenden

Als diese möglicherweise auftretenden Beschwerden werden auch als SAMS (= Statin-assozierte-Muskel-Symptome) bezeichnet.

Man kann sich vorstellen, dass solche Beschwerden eine massive Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellen können. Je nach Ausprägung ist dies manchmal der Grund für Patienten, die Medikation selbst zu beenden oder zu verändern. Keinesfalls sollte es dazu kommen, dass das Medikament womöglich gar nicht mehr genommen wird und dies auch nicht im Rahmen des Gesprächs in der Praxis besprochen wird. Es gibt ja einen schwerwiegenden Grund, warum es zu einer Verordnung gekommen ist. Deswegen sollten Sie uns als Betroffener unbedingt ansprechen, damit wir gucken können, ob es durch einen Wechsel des Medikamentes oder durch eine Dosisminderung zu erreichen ist, dass keine und ertragbare Beschwerden bestehen und der gewünschte Wirkeffekt erreicht werden kann.

Pause oder Medikamentenwechsel möglich

Bei starken Beschwerden wird zunächst eine Pause der Medikamentengabe durchgeführt. Negativ sich auswirkende Faktoren sollten ausgeschlossen werden. Wenn es erforderlich, dass das Statin weiter gegeben wird, dann muss die maximal verträgliche Dosis herausgefunden werden, indem man das Statin wechselt und mit einer niedrigen Dosis startet. Ob es zu einer Linderung durch die Gabe von Vitamin D oder Q10 kommt, konnte noch nicht in Studien bewiesen werden.

So oder so, ein gesunder Lebensstil sollte immer eingehalten werden, damit kann aber maximal bis zu circa 15 Prozent der Cholesterinwerte beeinflusst werden, es sei denn Sie stellen Ihr Leben so auf den Kopf, dass Sie alles verändern, dann geht auch mehr.